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Kurioses aus der HNO: Vier bemerkenswerte Innovationen (2025)

Das Jahr 2025 hat der HNO-Welt einige Überraschungen beschert – manche kurios, manche bahnbrechend, alle faszinierend. Wer hätte gedacht, dass ein gewöhnliches Allergie-Nasenspray plötzlich als Corona-Schutz diskutiert wird? Oder dass ein Hörgerät so klein werden kann, dass es kaum noch sichtbar ist – und dabei dank künstlicher Intelligenz besser funktioniert als je zuvor? Gibt es vielleicht auch einen Zusammenhang zwischen Schlafapnoe und Parkinson? Und dann wäre da noch die Gentherapie, die taube Kinder erstmals hören lässt, ohne dass ein Cochlea-Implantat nötig wird.

Was zum Teil nach Science-Fiction klingt, ist 2025 Realität geworden. Drei Beispiele zeigen, wie innovativ – und manchmal auch unerwartet – die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde sein kann.

Wenn das Allergie-Spray zur Virenbremse wird

Manchmal liegen die interessantesten Entdeckungen dort, wo man sie am wenigsten erwartet. Eine Studie der Universität des Saarlandes, veröffentlicht im renommierten Fachjournal JAMA Internal Medicine, hat 2025 dokumentiert: Azelastin-Nasenspray, das HNO-Ärzt*innen üblicherweise bei allergischer Rhinitis verschreiben, könnte das Risiko für SARS-CoV-2- und Rhinovirus-Infektionen senken.

An der Untersuchung nahmen 450 Proband*innen teil. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Azelastin nicht nur Allergiesymptome lindert, sondern möglicherweise auch eine präventive Wirkung gegen virale Atemwegsinfektionen entfaltet. Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht vollständig geklärt – vermutlich spielt die antiinflammatorische Wirkung eine Rolle, möglicherweise auch eine direkte Beeinflussung der viralen Replikation in der Nasenschleimhaut.

Natürlich braucht es weitere wissenschaftliche Überprüfungen, bevor Azelastin als Corona-Prophylaxe empfohlen werden kann. Doch gerade für Risikopatient*innen oder in Hochinzidenzphasen könnte sich hier ein zusätzlicher Ansatz eröffnen. Ein schönes Beispiel dafür, dass etablierte Wirkstoffe manchmal mehr können als ursprünglich gedacht.

Miniaturisierung trifft KI: Neue Generation von Hörgeräten

Die Hörtechnologie entwickelt sich rasant weiter – das zeigte sich 2025 besonders deutlich auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin. Dort wurden unter anderem extrem miniaturisierte Hörgeräte präsentiert, die gleichzeitig mit künstlicher Intelligenz arbeiten. Diese Kombination markiert einen technologischen Trend, der die Versorgung von Patient*innen mit Hörverlust zunehmend verändert.

Der Einsatz von KI in Hörgeräten ermöglicht eine deutlich verbesserte Trennung von Sprache und Hintergrundgeräuschen. Die Algorithmen analysieren die akustische Umgebung in Echtzeit und passen die Signalverarbeitung kontinuierlich an – etwa in einem lauten Restaurant oder bei Straßenlärm. Die Entwicklung zeigt: KI wird ein zentraler Baustein der Hörtechnologie, auf den künftig kaum ein Hersteller verzichten wird.

Parallel dazu schreitet die Miniaturisierung voran. Moderne Hörgeräte sind inzwischen so kompakt, dass sie kaum noch sichtbar sind – ein Aspekt, der für viele Patient*innen eine wichtige Rolle spielt und die Akzeptanz im Alltag deutlich verstärkt. Was heute noch als Innovation gilt, könnte daher bald zum Standard sein.

Kann eine Schlafapnoe-Therapie das Parkinson-Risiko senken?

Obstruktive Schlafapnoe (OSA) gehört zu den häufigsten Diagnosen in HNO-Praxen – doch ihr Einfluss auf die langfristige neurologische Gesundheit wurde möglicherweise unterschätzt. Eine 2025 im Fachjournal JAMA Neurology veröffentlichte Studie zeigt einen bemerkenswerten Zusammenhang: OSA-Patient*innen haben ein erhöhtes Risiko, später an Parkinson zu erkranken.

Die Untersuchung basiert auf Daten von über 11 Millionen US-Veteranen mit einem durchschnittlichen Follow-up von knapp fünf Jahren. Das Ergebnis: Veteran*innen mit OSA entwickelten 1,61 zusätzliche Parkinson-Fälle pro 1.000 Personen innerhalb von sechs Jahren nach der Diagnose – verglichen mit Personen ohne Schlafapnoe. Dieser Zusammenhang blieb auch nach Alter, Body-Mass-Index, vaskulären Komorbiditäten und psychiatrischen Erkrankungen bestehen.

Kurios und gleichzeitig hoffnungsstiftend ist dabei: Die konsequente Behandlung mit Überdruckbeatmung (PAP-Therapie) konnte das Parkinson-Risiko deutlich abmildern, insbesondere wenn die Therapie frühzeitig begonnen wurde. OSA könnte damit ein modifizierbarer Risikofaktor für Parkinson sein – eine Erkenntnis, die der Therapieadhärenz in der Praxis neue Bedeutung verleiht.

Wenn eine Gentherapie das Hören ermöglicht

Was vor wenigen Jahren noch nach ferner Zukunftsmusik klang, ist 2025 am Universitätsklinikum Tübingen Realität geworden: Eine Gentherapie kann Kindern mit einer bestimmten Form der genetisch bedingten Taubheit das Hörvermögen zurückgeben. Die CHORD-Studie, deren Zwischenergebnisse im Oktober 2025 im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden, markiert einen Meilenstein in der HNO-Heilkunde.

Im Fokus steht die Otoferlin-Taubheit, bei der Mutationen dazu führen, dass die Haarzellen im Innenohr zwar Schall aufnehmen, die Signale aber nicht an den Hörnerv weiterleiten. Die neuartige Gentherapie funktioniert wie ein molekulares Taxi: Ein viraler Vektor transportiert eine gesunde Kopie des OTOF-Gens direkt in die Cochlea, wo das Innenohr wieder funktionsfähiges Otoferlin-Protein produzieren kann. Die Studienergebnisse sind beeindruckend: Von 12 behandelten Kindern erreichten neun eine Hörschwelle von 70 dB HL oder besser – ein Wert, bei dem Cochlea-Implantate in der Regel nicht mehr notwendig sind.

In Deutschland wurde die erste Behandlung im April 2025 am Universitätsklinikum Tübingen durchgeführt. Prof. Hubert Löwenheim, Ärztlicher Direktor der HNO-Klinik, spricht von einer neuen Ära der „Molekularen Otologie“. Das Kuriose daran: Ein einzelner Gendefekt, der Menschen ein Leben lang taub machen würde, lässt sich mit einer einzigen Behandlung beheben.

Aus Innovation wird Routine

2025 hat gezeigt: Innovation in der HNO findet oft dort statt, wo man sie nicht erwartet. Von etablierten Wirkstoffen mit überraschenden Zusatzeffekten über die Entdeckung langfristiger Zusammenhänge bei Routinediagnosen bis hin zu technologischen Sprüngen und molekularen Durchbrüchen – die Grenzen des Machbaren verschieben sich kontinuierlich. Eins ist deshalb auch im Jahr 2026 sicher: Was heute noch kurios klingt, könnte morgen schon zum Versorgungsalltag gehören.

Kurioses aus der HNO

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