E-Rezept, ePA, Versichertenstammdaten und mehr – die Telematikinfrastruktur (TI) ist aus dem Praxisalltag nicht mehr wegzudenken. Im besten Fall läuft die Technik reibungslos im Hintergrund. Wegen Sicherheitsvorgaben und technologischen Updates kommt es aber immer wieder zu Umstellungen. Dann stehen Begriffe wie "Kartentausch" und "Konnektortausch" im Raum, und oft ist unklar, was genau zu tun ist. Unser FAQ-Beitrag beantwortet die wichtigsten Fragen – in einer Sprache, die alle verstehen.
Die TI besteht aus vielen kleinen Einzelteilen, von denen die meisten regelmäßig aktualisiert werden. Oft geschieht das im Hintergrund, ohne dass es zu Unterbrechungen in der Arztpraxis kommt. So können Softwareupdates beispielsweise in vielen Fällen direkt vom Hersteller angestoßen werden.
Der Austausch physischer Bausteine ist dagegen etwas komplizierter. Hier können die jeweiligen Hersteller den Austausch nicht per Knopfdruck erledigen. Das betrifft hauptsächlich diese drei Hardware-Komponenten:
Alle physischen Komponenten der TI arbeiten mit Sicherheitszertifikaten mit begrenzter Laufzeit. Diese Zertifikate bestätigen, dass die Geräte, die Praxis und die Person auf die TI zugreifen dürfen. Aus Sicherheitsgründen ist es sinnvoll, diese Zertifikate regelmäßig zu aktualisieren – ähnlich wie bei einem Personalausweis. Das geschieht normalerweise, wenn die Laufzeit endet, beispielsweise nach fünf Jahren. In Ausnahmefällen kann der Austausch von Konnektor und Chipkarten allerdings auch schon vor Ablauf der Laufzeit erforderlich sein.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat entschieden, die Sicherheitsanforderungen für besonders schützenswerte Daten zu erhöhen. Die neue Verschlüsselungstechnik ECC soll zum Standard werden, während die bisherige Verschlüsselungsmethode RSA ausgemustert wird. Vor diesem Hintergrund hat die gematik als Regulierungsbehörde der TI beschlossen, dass auch die Telematikinfrastruktur zukünftig die neue Verschlüsselungsmethode ECC einsetzen wird. Das hat zur Folge, dass zahlreiche Komponenten mit RSA-Verschlüsselung ersetzt werden müssen. Und zwar auch dann, wenn ihr Laufzeitende noch nicht erreicht ist.
Ab dem 01. Januar 2026 müssen alle TI-Komponenten die ECC-Verschlüsselung beherrschen. Nach Informationen der gematik müssen daher bis zum Jahresende 2025 rund 10.000 Konnektoren in deutschen Arztpraxen ersetzt werden. Noch umfangreicher als der Konnektortausch ist der Kartentausch. Ursprünglich wurden bundesweit mehrere Hunderttausend Chipkarten erfasst, die vor Ablauf ihrer Laufzeit getauscht werden müssen. Allerdings gab es große Zweifel, ob der Tausch rechtzeitig gelingt. Für die verbleibenden 30.000 Chipkarten ohne ECC-Fähigkeit hat die gematik daher eine Fristverlängerung bis zum 30. Juni 2026 gewährt. Für Chipkarten gilt somit eine Schonfrist, für Konnektoren jedoch nicht.
Die Fristen im Überblick:
Bei Chipkarten gibt es üblicherweise den Aufdruck „Gültig bis“ oder „Gültigkeitszeitraum“ mit einer genauen Angabe. Das planmäßige Laufzeitende ist daher sehr einfach zu erfahren. Grundsätzlich werden ECC-fähige Ausweise bereits seit einigen Jahren standardmäßig ausgestellt. Es ist daher unwahrscheinlich, dass ein Ausweis mit noch langer Laufzeit betroffen ist. Absolute Sicherheit bietet diese Methode jedoch nicht.
Komplizierter ist es bei der Umstellung der Konnektoren. Weder Konnektoren noch Chipkarten verfügen über einen Aufdruck, der kennzeichnet, ob eine Komponente nur die alte RSA- oder auch die neue ECC-Verschlüsselung unterstützt. Teilweise können Versionshinweise digital abgerufen werden. Dieser Prozess ist aber von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich und erfordert unter Umständen technische Kenntnisse. Das größte Risiko besteht bei allen Konnektoren, bei denen bereits eine Laufzeitverlängerung durchgeführt wurde.
Es ist daher am wichtigsten, auf Hinweise der Anbieter und Hersteller zu achten. Alle Anbieter, die auslaufende Komponenten im Einsatz haben, haben ihre Kunden informiert. Üblicherweise wurden diese Hinweise per E-Mail oder Post versendet. Teilweise gibt es Hinweise auch direkt im PVS oder, falls vorhanden, in einem Kundenportal. Falls keine Hinweise eingegangen sind, kann es ratsam sein, sich persönlich abzusichern. Dafür empfiehlt sich die Kontaktaufnahme mit Dienstleistern, Anbietern oder Herstellern.
Der erste Anruf sollte immer an das Systemhaus oder den TI-Dienstleister gehen. Diese kennen die spezifische Konfiguration am besten und können einschätzen, welche Schritte notwendig sind. Oft wissen diese auch, ob bzw. wann die eingesetzte Hardware tatsächlich getauscht werden muss. Das gilt insbesondere für den Konnektor. Wichtig ist, damit nicht zu warten. Kurz vor dem Ablauf einer Wechselfrist ist die Auslastung dieser Dienstleister oft sehr hoch. Zusätzlich sorgen Feiertage und Urlaubszeiten für längere Wartezeiten. Bei Praxisausweisen und Arztausweisen ist eine direkte Kontaktaufnahme mit dem jeweiligen Hersteller ratsam. In den meisten Fällen dürfte ein Anruf bei der Support-Hotline ausreichen, um den eigenen Bedarf abzuklären.
Nach Verstreichen der Frist wird mit alten TI-Komponenten grundsätzlich kein Zugriff mehr möglich sein. Das bedeutet, dass alle Anwendungen, die eine TI-Anbindung benötigen, nicht mehr funktionieren werden. Da dies inzwischen sehr viele alltägliche Abläufe betrifft, ist ein gewöhnlicher Praxisbetrieb dann nicht mehr vorstellbar. Anstelle des E-Rezepts könnten ausnahmsweise Papierrezepte ausgestellt werden. Doch viele gewohnte Prozesse, von den Versichertenstammdaten über Arztbriefe bis zur ePA, würden zum Erliegen kommen. Zu erwähnen ist auch, dass Arztpraxen ohne TI-Anschluss mit Sanktionen rechnen müssen. Honorarabzüge sollten unbedingt vermieden werden.
Der Wechsel zur neuen ECC-Verschlüsselung bedeutet für viele Praxen zusätzlichen Aufwand, der sich aber durch eine rechtzeitige Vorbereitung gut bewältigen lässt. Der Schlüssel liegt darin, das Thema nicht auf die lange Bank zu schieben. Insbesondere der Konnektortausch duldet keinen Aufschub. Doch auch beim Kartentausch empfiehlt es sich, nicht bis zum Ende der Frist zu warten.
Alle Praxen sind gut beraten, umgehend zu klären, ob sie selbst betroffen sind. Arztpraxen, die sich frühzeitig kümmern, können dem Konnektortausch und Kartentausch entspannt entgegensehen – und sich wieder voll auf das konzentrieren, was wirklich zählt: Eine hervorragende ärztliche Versorgung.

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